HSV Ronneburg – Sonneberger HV 22:22

Bild: Philip Klemm / pk oksch photography / instagram.com

Punktgewinn mit gemischten Gefühlen

Punktgewinn mit gemischten Gefühlen

Nach dem emotionalen Derbysieg gegen Ziegelheim wollte der HSV Ronneburg im heimischen Hexenkessel nachlegen. Mit dem Sonneberger HV wartete dabei ein Gegner, dessen Bezeichnung als Aufsteiger aus der Landesliga nur wenig über die tatsächliche Qualität der Mannschaft aussagt. Der Kader der Südthüringer ist mit zahlreichen international erfahrenen Akteuren besetzt. Mehrere Spieler bringen Erfahrungen aus dem internationalen Handball mit, darunter Akteure mit Champions-League- und Nationalmannschaftserfahrung. Dass Sonneberg in der Oberliga keineswegs als gewöhnlicher Neuling einzuschätzen ist, hatten bereits die ersten Saisonspiele gezeigt. Gegen die HSG Werratal holte der SHV ein Unentschieden, gegen den HBV Jena musste man sich geschlagen geben und gegen die Bundesliga-Reserve des ThSV Eisenach II gab es lediglich eine knappe Niederlage. Entsprechend wusste man auf Ronneburger Seite, dass trotz des Aufsteigerstatus eine schwierige Aufgabe bevorstand.

Und tatsächlich entwickelte sich von Beginn an ein zähes Spiel, in das der HSV denkbar schlecht startete. Sonneberg war sofort präsent und führte nach gut vier Minuten bereits mit 3:0. Ronneburg brauchte einige Zeit, um in die Partie zu finden, kämpfte sich dann aber Schritt für Schritt zurück. Aus dem 1:4 wurde beim 5:5 der Ausgleich und wenig später übernahm der HSV sogar die Führung. Beim 9:7 hatte sich die Mannschaft erstmals einen Vorsprung von zwei Treffern erarbeitet.

Genau in dieser Phase verpasste es der HSV allerdings, sich für seine gute Arbeit zu belohnen. Mehrere Möglichkeiten blieben ungenutzt und eine schwache Chancenverwertung verhinderte, dass die Führung weiter ausgebaut werden konnte. Statt sich abzusetzen, hielt man Sonneberg damit im Spiel. Die Gäste nutzten ihre Chance, kamen wieder heran und drehten die Partie. Aus dem 9:7 wurde ein 9:10, mit einem knappen 10:11-Rückstand ging es schließlich in die Kabinen.

Nach dem Seitenwechsel kam Ronneburg zunächst gut zurück und drehte das Ergebnis mit zwei Treffern zum 12:11. Was anschließend folgte, machte die Aufgabe jedoch zunehmend schwieriger. Die zweite Halbzeit fühlte sich aus Ronneburger Sicht phasenweise wie eine einzige Unterzahlsituation an. Insgesamt wurden gegen den HSV 13 Zwei-Minuten-Strafen ausgesprochen. Rein rechnerisch bedeutete das 26 Strafminuten – fast die Hälfte der gesamten Spielzeit musste Ronneburg somit mit mindestens einem Spieler weniger auf dem Feld bewältigen.

Unabhängig davon, wie man die eine oder andere Entscheidung bewertet, muss sich die Mannschaft dabei auch selbst kritisch hinterfragen. 13 Zeitstrafen sind zu viel und machen es gegen einen Gegner dieser Qualität enorm schwer, einen konstanten Rhythmus zu entwickeln. Die zahlreichen Unterzahlsituationen kosteten Kraft und sorgten dafür, dass Sonneberg Mitte der zweiten Hälfte zunehmend die Kontrolle übernehmen konnte. Aus einem knappen 15:16 wurde ein 15:19 und beim Vier-Tore-Rückstand drohte die Partie endgültig zu kippen.

Doch genau in dieser Situation zeigte der HSV eine der großen Stärken dieses Abends. Die Mannschaft glaubte weiter an sich und gab das Spiel zu keinem Zeitpunkt verloren. Tor für Tor arbeitete sich Ronneburg zurück. Aus dem 15:19 wurde ein 17:19, wenig später ein 19:20 und beim 21:21 war die Partie wieder völlig offen. In der 59. Minute belohnte sich der HSV schließlich für seine kämpferische Leistung und ging mit 22:21 in Führung. Nach einem Vier-Tore-Rückstand hatte die Mannschaft das Spiel tatsächlich noch einmal gedreht.

Einen ganz entscheidenden Anteil daran hatte Lukas Vlasák im Ronneburger Tor. Mit zahlreichen wichtigen Paraden hielt er seine Mannschaft in schwierigen Phasen im Spiel und war an diesem Abend der überragende Mann auf Seiten des HSV. Gerade als die Kräfte aufgrund der vielen Unterzahlsituationen schwanden, war auf den Ronneburger Schlussmann Verlass. Am Ende war er einer der entscheidenden Faktoren dafür, dass zumindest ein Punkt im Hexenkessel blieb.

Für den ganz großen Lohn reichte es dennoch nicht. Nur sieben Sekunden nach dem 22:21 musste Ronneburg erneut eine Zwei-Minuten-Strafe hinnehmen. Sonneberg nutzte die Überzahl und erzielte bei 58:54 das 22:22. In der Schlussminute folgte eine weitere Zeitstrafe samt Disqualifikation gegen den HSV. Trotz einer letzten Auszeit vier Sekunden vor Schluss gelang der entscheidende Treffer nicht mehr. Es blieb beim 22:22.

So war die Gefühlslage nach dem Schlusspfiff zunächst durchaus gemischt. Einerseits hatte der HSV die Chance auf zwei Punkte in den Händen, andererseits überwog auch beim Trainer die Zufriedenheit über den gewonnenen Punkt. In der Vergangenheit gab es zu viele Spiele, die Ronneburg in der Schlussphase noch unglücklich aus der Hand gegeben hatte. Diesmal belohnte sich die Mannschaft zumindest für ihren enormen Kampf und brachte einen Zähler über die Ziellinie.

Gerade angesichts von 13 Zeitstrafen und insgesamt 26 Strafminuten kann dieser Punkt durchaus als Erfolg gewertet werden. Noch wichtiger ist jedoch die Art und Weise, wie er zustande kam. Trotz eines Vier-Tore-Rückstands glaubte die Mannschaft weiter an sich, kämpfte sich zurück und drehte die Partie kurz vor Schluss sogar noch einmal. Auf diese Leistung und vor allem auf die gezeigte Moral kann die Mannschaft stolz sein.

Kritisch bleibt vor allem die Chancenverwertung. Der HSV hatte Möglichkeiten, sich bereits in der ersten Hälfte deutlicher abzusetzen und verpasste es, Sonneberg frühzeitig stärker unter Druck zu setzen. Auch die hohe Zahl an Zeitstrafen muss aufgearbeitet werden. Gelingt es, in diesen Bereichen mehr Konstanz und Disziplin ins eigene Spiel zu bringen, dürfte sich die Mannschaft künftig noch häufiger für ihren Aufwand belohnen.

Nach dem ersten Saisonsieg gegen Ziegelheim nimmt der HSV damit auch gegen den stark besetzten Aufsteiger aus Sonneberg etwas Zählbares mit. Drei Punkte aus den vergangenen beiden Begegnungen und ein Blick auf die aktuelle Tabelle geben durchaus Anlass zu Optimismus. Noch ist längst nicht alles perfekt, doch die Entwicklung stimmt. Vor allem eines hat die Mannschaft erneut bewiesen: Auch wenn ein Spiel zu kippen droht, gibt sich dieser HSV nicht auf.

▶️ Spielbericht des THV

📷 Fotos vom Spiel
von Philip Klemm / pk oksch photography / instagram.com

🎥 Video vom Spiel

HSV Ronneburg – ThSV Eisenach II 20:25

Spitzenreiter aus Eisenach ist zu stark für den HSV Ronneburg

In Wolf-Manier bleibt Eisenachs Torwart Christian Trabert beim Konter des Ronneburger Torjägers Mirko Alexy (links) Sieger.

In der Handball-Oberliga siegt der ThSV Eisenach II im Hexenkessel mit 25:20. Torhüter Lukas Vlasak hält vier Gäste-Siebenmeter.

Nur 25 Gegentore gegen den Spitzenreiter kassiert: In der Abwehr hat der Thüringer Handball-Oberligist HSV Ronneburg sein erstes Heimspiel im Jahr 2025 nicht verloren. Die 20:25-Niederlage gegen Aufstiegsanwärter ThSV Eisenach II hatte ihre Ursachen wohl eher im Angriff.

Das sah auch Trainer Silvio Stölzner, der die Mannschaft gemeinsam mit Christian Szlapka betreute. „Die Eisenacher Reserve ist nicht ohne Grund Tabellenführer. Das ist ein abgezocktes, cleveres Team. Die wissen genau, was sie wann spielen müssen. Da war es für uns nicht leicht, dagegenzuhalten. Vorn mussten wir uns jedes Tor hart erarbeiten. Einfache Treffer gab es nicht. In der entscheidenden Phase haben wir zu viele freie Bälle liegengelassen. Durch die starke Torhüterleistung von Lukas Vlasak blieb die Niederlage im Rahmen“, bilanzierte der HSV-Trainer, während sein Gegenüber, ThSV-Spielertrainer Qendrim Alaj, meinte: „Ich habe die Jungs die Woche über gewarnt, dass es gegen Ronneburg auf keinen Fall so leicht wie im Hinspiel werden wird. Garant dafür ist die Halle mit ihren Zuschauern und der Stimmung. Ronneburg hat uns immer wieder vor Probleme gestellt. Unsere Chancenverwertung war heute schlecht. Allein vier Siebenmeter haben wir verworfen.“

Ronneburg mit großen Besetzungssorgen

Zwei Fehlwürfe kamen auf das Konto von Qendrim Alaj, der mit seiner Mannschaft in dieser Saison unbedingt den Aufstieg in die Mitteldeutsche Oberliga schaffen will. „Wir haben alles selbst in der Hand. Aber wir schauen von Spiel zu Spiel“, verriet er und war über die Heimniederlage von Konkurrent Jena gegen Werratal bestimmt nicht traurig.

Wie ernst es den Eisenachern mit dem Aufstieg ist, bewies allein die Tatsache, dass das Team mit einem 16er-Kader in Ronneburg aufschlug. Dagegen hatte die HSV-Sieben große Besetzungssorgen. Nach der Trainingsverletzung von Gergely Horvath stand kein zweiter Torwart zur Verfügung, sodass sich der schon verabschiedete Christian Lange als etatmäßiger Feldspieler bereiterklärte, im Notfall – den es zum Glück nicht gab – einzuspringen.

Zehn Minuten lang hielten die Hausherren die Partie bis zum 3:3 offen. Dann diktierten die Eisenacher das Geschehen auf der Platte. Beim 5:9 waren die Wartburgstädter erstmals auf vier Tore enteilt. Die Hausherren ließen sich nicht abschütteln und verkürzten bis zur Pause auf 11:13. Beim 16:22 war die Begegnung entschieden.

Kommenden Samstag gegen Mühlhausen

Ronneburg tat sich gegen die im Sechs-zu-Null-Riegel stehende ThSV-Abwehr schwer. Auch für Kreisläufer Kyrylo Smielkov gab es keine Räume. Der Eisenacher Mittelblock mit den baumlangen Duje Miljak, Leonard Toelke oder Ole Gastrock-Mey war kaum zu überwinden. Mirko Alexy war mit neun Treffern erfolgreichster Ronneburger, im Abschluss aber auch nicht fehlerfrei.

Gerade die beiden in der Schlussphase vergebenen Strafwürfe und die versiebten Konterchancen gegen einen starken Christian Trabert im Eisenacher Gehäuse kosteten den Hausherren ein noch besseres Ergebnis. 

Am kommenden Samstag wartet die nächste schwere Heimaufgabe auf den HSV. Dann gastiert der diesmal mit einem Treffer in Hermsdorf unterlegene Vorjahresmeister VfB 09 Mühlhausen im Ronneburger Hexenkessel.

Text & Bild: Jens Lohse

Spielbericht des THV