HSV Ronneburg – HSG Suhl 28:29

HSV bringt Titelfavorit HSG Suhl an den Rand einer Niederlage

Es gibt Niederlagen, die sich anders anfühlen als andere. Das 28:29 des HSV Ronneburg gegen die HSG Suhl gehört zweifellos dazu. Denn was die Ronneburger am Samstagabend vor rund 300 Zuschauern in der heimischen Sporthalle zeigten, war über weite Strecken leidenschaftlich, mutig und beeindruckend. Am Ende fehlten nur wenige Sekunden und ein einziges Tor zu einer großen Überraschung. Zur Halbzeit führte der HSV völlig verdient mit 17:14.
Wie hoch diese Leistung einzuschätzen ist, zeigt ein Blick auf den Gegner. Suhl gehörte bereits in der vergangenen Saison zur absoluten Spitze der Oberliga und wurde Tabellenzweiter hinter dem späteren Aufsteiger HSV Apolda. Auch in der aktuellen Spielzeit zählt die HSG aufgrund ihrer Qualität und Erfahrung zu den Mannschaften mit großen Ambitionen.
Zudem verfügt Suhl über einen außergewöhnlich erfahrenen Kader. Mehrere Akteure haben bereits in höheren nationalen Spielklassen gespielt, hinzu kommen Spieler mit Erfahrungen aus ausländischen Profiligen und internationalen Wettbewerben. Einzelne Suhler Akteure können sogar Einsätze in europäischen Wettbewerben bis hin zur EHF Champions League vorweisen. Umso bemerkenswerter war, was der HSV an diesem Abend auf die Platte brachte.
Zunächst erwischten die Gäste den besseren Start und gingen mit 5:2 in Führung. Doch Ronneburg ließ sich davon überhaupt nicht beeindrucken. Mit viel Ruhe, einer konzentrierten Defensive und konsequentem Angriffsspiel kämpfte sich der HSV zurück und stellte nach knapp 14 Minuten auf 7:7. Danach entwickelte sich eine richtig starke erste Halbzeit der Gastgeber. Der HSV spielte selbstbewusst, aggressiv und mit enormer Leidenschaft. Statt sich gegen den Favoriten lediglich auf Schadensbegrenzung zu konzentrieren, übernahm Ronneburg zunehmend selbst die Initiative.
Aus einem offenen Spiel wurde nach und nach eine Ronneburger Führung. Besonders in den letzten Minuten vor der Pause setzte der HSV noch einmal ein Ausrufezeichen und zog von 14:13 auf 17:14 davon. Drei Tore Vorsprung zur Halbzeit gegen einen solchen Gegner und das keineswegs glücklich, sondern als Ergebnis einer richtig starken Mannschaftsleistung.

21:16 – und plötzlich wackelt der Favorit

Wer nach dem Seitenwechsel mit einer schnellen Antwort der Gäste gerechnet hatte, wurde zunächst eines Besseren belehrt. Der HSV machte einfach weiter. Ronneburg spielte mutig nach vorne, hielt die Intensität hoch und baute seinen Vorsprung sogar noch weiter aus. Nach 37 Minuten stand tatsächlich ein 21:16 auf der Anzeigetafel. Fünf Tore Vorsprung gegen Suhl! Die Gäste waren gezwungen zu reagieren und hatten bereits unmittelbar zuvor beim 20:16 ihre Auszeit genommen. Spätestens jetzt war jedem im Hexenkessel klar: Hier war an diesem Abend etwas ganz Besonderes möglich. Der HSV hatte den Favoriten nicht nur geärgert. Ronneburg hatte ihn über weite Strecken im Griff.
Leider folgte genau in dieser Phase der Abschnitt, der am Ende entscheidend werden sollte. Nach dem 21:16 verlor der HSV für einige Minuten den Rhythmus. Eine Zeitstrafe kam hinzu und die erfahrenen Gäste nutzten diese Phase konsequent. Innerhalb von weniger als drei Minuten machte Suhl aus einem Fünf-Tore-Rückstand ein 20:21. Vier Gegentreffer in Folge – und plötzlich war ein Spiel, das der HSV bis dahin hervorragend kontrolliert hatte, wieder völlig offen. Gerade hier zeigte sich die enorme Erfahrung des Gegners. Suhl blieb auch mit fünf Toren Rückstand ruhig und bestrafte kleine Unkonzentriertheiten sofort.
Doch mindestens genauso bemerkenswert war die Reaktion der Ronneburger. Der HSV brach nicht ein. Ganz im Gegenteil. Nach dem 21:20 setzte sich Ronneburg wieder auf 23:20 ab. Als Suhl anschließend beim 23:23 erstmals wieder ausgleichen konnte, entwickelte sich ein hochdramatischer Schlagabtausch. Immer wieder legte der HSV vor: 24:23, 25:24, 26:25 und 27:26. Das zeigte eindrucksvoll die Moral dieser Mannschaft. Selbst nachdem ein komfortabler Vorsprung verloren gegangen war, blieb der HSV mutig und suchte weiter seine Chance.
Erst beim 27:28 in der 57. Minute lag Suhl erstmals seit langer Zeit wieder in Führung. Aber Ronneburg hatte noch eine Antwort. Knapp zwei Minuten vor Schluss gelang per Siebenmeter der umjubelte 28:28-Ausgleich. Die Halle durfte weiter von mindestens einem Punkt träumen.
Dann kam die Szene, die diesen Abend aus Ronneburger Sicht besonders bitter machte: 58:58 Minuten waren gespielt, als Suhl das 28:29 erzielte. Dabei blieb es.

Ein einziges Tor. Mehr trennte den HSV nach 60 intensiven Minuten nicht von einem hochverdienten Punkt gegen einen der großen Favoriten dieser Oberliga-Saison. Natürlich ist es besonders schade, weil der HSV den Sieg tatsächlich in der eigenen Hand hatte. Entscheidend war vor allem die kurze Phase nach der 21:16-Führung. Vier Gegentreffer in Folge brachten Suhl innerhalb weniger Minuten vollständig zurück ins Spiel. Hinzu kamen einige Zeitstrafen zu ungünstigen Zeitpunkten. Insgesamt musste Ronneburg viermal für zwei Minuten in Unterzahl agieren. Besonders bitter war die letzte Zeitstrafe beim Stand von 27:27 gut fünf Minuten vor Schluss. Gegen eine Mannschaft mit dieser individuellen Qualität und Erfahrung sind es am Ende genau solche Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen können.
Und trotzdem wäre es falsch, diesen Abend auf diese wenigen Minuten zu reduzieren. Natürlich tut diese Niederlage weh. Richtig weh. Wer gegen einen solchen Gegner mit fünf Toren führt, sechs Minuten vor Schluss noch 27:26 vorne liegt und weniger als zwei Minuten vor dem Ende zum 28:28 ausgleicht, möchte sich für diesen enormen Aufwand auch belohnen. Dass am Ende nicht einmal ein Punkt bleibt, ist unglaublich schade und fühlt sich angesichts dieser starken Vorstellung besonders bitter an.
Aber der HSV sollte aus diesem Spiel vor allem eines mitnehmen: Stolz. Stolz auf eine Mannschaft, die sich von der individuellen Klasse des Gegners nicht beeindrucken ließ. Stolz auf eine Mannschaft, die mutig Handball spielte, an ihre Chance glaubte und einen Titelfavoriten über weite Strecken vor enorme Probleme stellte. Stolz auf eine Mannschaft, die nach einem zwischenzeitlichen 21:16 auch nach dem Ausgleich nicht auseinanderfiel, sondern immer wieder zurückschlug.
Am Ende steht auf dem Papier leider nur ein 28:29. Doch dieses Ergebnis erzählt längst nicht die ganze Geschichte dieses Abends. Der HSV Ronneburg hat gezeigt, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Mit Leidenschaft, Mut, Zusammenhalt und einer starken kämpferischen Leistung wurde eine der erfahrensten Mannschaften der Liga an den Rand einer Niederlage gebracht. Deshalb darf die Enttäuschung über den verlorenen Punkt oder sogar den möglichen Sieg ruhig da sein. Aber mindestens genauso groß sollte der Stolz auf diese Leistung sein. Schade, dass sich die Mannschaft für diesen großartigen Kampf nicht belohnen konnte. Aber wer so gegen einen Titelfavoriten auftritt, muss sich vor niemandem verstecken.

Der HSV hat an diesem Abend keine Punkte gewonnen – aber ganz sicher jede Menge Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben.

Am nächsten Samstag (26.09.2026 um 19:00 Uhr) ist der LSV Ziegelheim zu Gast im Hexenkessel.

➡️ Spielbericht des THV

Ein Gedanke zu „HSV Ronneburg – HSG Suhl 28:29

  • 20. September 2026 um 18:55 Uhr
    Permalink

    Dem ist nichts zuzufügen. Unsere Mannschaft hat uns gezeigt was sie kann und kann stolz auf sich sein. Wenn ihr so weiter macht bleibt es nicht bei Niederlagen die eigentlich keine sind. Ich denke alle die dieses Spiel gesehen haben denken genau so wie ich.
    Auch unsere Trommler haben ihren Teil dazu beigetragen.

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