
Vom Reservist zum Derby-Held: Wer das Duell zwischen Hermsdorf und Ronneburg entscheidet
Normalerweise ist er nur Ersatzspieler: Bei der Partie des HSV Ronneburg gegen den SV Hermsdorf rückt Handball-Torhüter David Starkloff plötzlich in den Mittelpunkt.
Gäbe es in der Thüringer Handball-Oberliga die Auszeichnung für den „Player of the Match“, er hätte sie sich am Sonnabend in der bis auf den letzten Platz gefüllten Seelenbinder-Halle verdient gehabt. Torhüter David Starkloff nahm nach Abpfiff der aus Hausherren-Sicht mit 27:25 gewonnenen Partie des SV Hermsdorf gegen den HSV Ronneburg ganz viele Glückwünsche für seine Leistung entgegen.
Sternstunde beginnt Mitte der zweiten Halbzeit
Mit seinen Paraden brachte er die Gäste-Werfer in der Schlussphase schier zur Verzweiflung. Dabei hatte der Schlussmann zuvor schon 60 Minuten im Kasten der Hermsdorfer Reserve zwischen den Pfosten gestanden. Weil im Oberliga-Kader der Holzländer aber wieder einmal die Torleute knapp waren, setzte sich Starkloff bei der Högl-Sieben anschließend noch auf die Bank.
Als die Ronneburger Mitte der zweiten Hälfte mit zwei Toren in Führung lagen, schlug die Stunde des Ersatzkeepers. „Ich hatte gar nicht mit einem Einsatz gerechnet. Aber als ich eingewechselt wurde, war ich sofort drin im Spiel und konnte Bälle parieren“, zeigte sich der 28-jährige Schlussmann selbst erstaunt über seine Leistung.
Reflexe, Mut – und ein kühler Kopf
Schon seit 18 Jahren spielt er in Hermsdorf Handball, durchlief alle Nachwuchsmannschaften und hält dem Verein die Treue. „Mich kennt fast jeder auf der Tribüne“, meinte er. Nacheinander kaufte das Hermsdorfer Eigengewächs den Ronneburgern freie Bälle ab. Mit jedem gehaltenen Wurf wuchs das Selbstvertrauen, wurde die Brust breiter. „Solch ein Spiel abzuliefern, ist schon der Wahnsinn – und dann noch im Derby gegen Ronneburg“, freute sich der Keeper, der nach sechs sieglosen Partien in Folge maßgeblich zum ersten Hermsdorfer Sieg seit Ende November letzten Jahres beigetragen hatte.
Des einen Freud war des anderen Leid. Ronneburgs Trainer Silvio Stölzner musste mit seinem Team die fünfte Niederlage in Folge hinnehmen. Wie schon im Hinspiel beim 25:26 ging es auch in Hermsdorf äußerst eng zu. „Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat alles gegeben, mit Feuer und Leidenschaft agiert. Dass hier kein Schönheitspreis vergeben wird, war klar. 50 Minuten lang hatten wir mit Lukas Vlasak Vorteile auf der Torhüterposition. Dann hält der Hermsdorfer Keeper die letzten vier entscheidenden Bälle. So ist Handball. Trotzdem war es ein geiles Derby“, resümiert der Trainer, für dessen Mannschaft es am kommenden Samstag nun daheim gegen Schlusslicht Aufbau Altenburg geht.
Text & Bild: Jens Lohse